Das Motto des diesjährigen World Usability Days:

„In 2018, let’s focus on what we can do in creating both good design and preventing the development of bad design.“

Diese Aufforderung haben wir uns zum Anlass genommen, einige unserer UX-Specialists zu befragen, wodurch sich gute – und eben nicht so gute – User Experience auszeichnet.

Nützliche Insights aus Projekten, dem Alltag und dem UX-Methodenrepertoire:

 

 

Claudia Heinze
Senior UX-Specialist & Konzepterin

 

 

Claudia, welcher (Alltags-)Usability-Fail hat dir das Leben mal so richtig erschwert?

Erst kürzlich war ich geschäftlich in München unterwegs. Und wie beim Besuch jeder deutschen Stadt graute es mir schon vor dem ÖPNV-Automaten: Einzelfahrt, Kurzstrecke, Streifenkarte oder Tageskarte? Wie viele Zonen brauche ich? Sind Rückfahrten erlaubt? Bis wann gilt die Tageskarte? Und muss ich stempeln?

Welches Usability-Paradebeispiel hat dein UX-Herz stattdessen besonders erfreut?

Ich habe eine Zeit lang in China gelebt und mir dort nie Gedanken über Fahrtkarten machen müssen: Einmal ÖPNV-Karte besorgen, mit beliebigem Betrag aufladen und dann swipe am Eingang, swipe am Ausgang – fertig!

Deine Lieblingsmethode, um die Grundlage für gute UX zu legen?

Mein (aktueller) Favorit: User Feedback Days mit anschließendem Konzeptionsworkshop. Bei User Feedback Days beobachten Entwickler, Designer, Produktmanager und interne UX-Professionals die Nutzerinnen und Nutzer live. Anschließend werden in einem gemeinsamen Workshop die Insights diskutiert, priorisiert und Optimierungen direkt gescribbelt. Diese Abwandlung des klassischen Usability-Tests passt perfekt ins agile Umfeld, holt alle Beteiligten an Bord, vermeidet Dokumentations-Overhead – und ich als Gestalter komme natürlich voll auf meine Kosten, wenn ich zu Stift und Papier greifen darf.

 

 

 

 

Markus Funke
Design Thinker & Specialist für quantitatives UX-Testing

 

 

Markus, wie können Usability-Fails zukünftig vermieden werden?

The wizards are coming: Wizards präsentieren dem Nutzer eine Serie an Schritten, die ausgeführt werden müssen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Es ist erstaunlich, dass der „normale User“ immer noch mit komplexen Features eines interaktiven Systems allein gelassen anstatt step-by-step angeleitet wird. Getreu dem Motto „Don’t make me think“ und der voranschreitenden Mobile-Dominanz ist meine Hypothese, dass gute Wizard Designs an Relevanz gewinnen werden.

Ganz nebenbei: Im Alltag würde ich mich über einen Wizard für das Austauschen von Mülltüten freuen… 😉

Dein persönliches Praxis-Paradebeispiel, in der du die Grundlage für gute UX legen konntest?

In einer ausgesprochen agilen und produktiven Co-Creation mit einer Experience Designerin haben wir mittels Paper Prototyping, InVision-Screens und einem Minimal Viable Product den User Flow einer Website entwickelt. Durch das kontinuierliche und starke User Engagement war das Feedback am Schluss enorm positiv und löste (nicht nur in mir 😉) große Begeisterung aus (Net Promoter Score = 90).

Sicherlich – damit ist es nicht getan, aber es sind verdammt gute Voraussetzungen!

 

 

 

 

Adrian Podlesny
User-Experience-Specialist & -Designer

 

 

Adrian, welches Usability-Musterbeispiel hat dein UX-Herz mal besonders erfreut? Was daran hat funktioniert?

Von meinem E-Mail-Programm war ich sehr positiv überrascht, als es mich darauf hinwies, dass ich meiner gerade getippten Mail ja noch eine Datei anhängen wollte. Denn sobald der Email-Text ein Schlagwort wie „anbei“ enthält, erkennt das Mailprogramm, dass der Nutzer einen Anhang hinzufügen wollte – und wenn das vergessen wurde, wird er/sie beim Abschicken darauf hingewiesen.

Der Use Case „noch schnell was rausschicken“ (oder, in meinem Fall, „schusseliger Nutzer“) wurde hier korrekt erkannt und durch ein sehr hilfreiches Feature bedient. Die Software wird so vom reinen Tool zu einem Unterstützer. Das ist in meinen Augen ein Beispiel für wirklich gute UX. 

Welche ist deine UX-Lieblingsmethode und was schafft sie besonders gut?

Wireframing und Prototyping. Die wichtigsten Aspekte eines Produkts ganz pragmatisch in kurzer Zeit aufzubauen und testen zu können bringt viele wertvolle Erkenntnisse, spart Frust („wir müssen nochmal alles neu machen“) und macht mir persönlich auch einfach unglaublich viel Spaß.

 

 

 

 

Friederike Waterstrat
User-Experience-Specialist & Psychologin

 

 

Welcher Usability-Fail hat dir deinen Alltag mal so richtig erschwert? Wie sähe deine Lösung aus?

In meiner Uni ließ sich jede Tür mittels daneben befindlichem Schalter bequem öffnen, was gut war, denn die Brandschutztüren waren händisch relativ schwer zu öffnen. Nur bei einer einzigen Tür im Gebäude wurde dieses Prinzip ignoriert: der Schalter zum Öffnen der Tür befand sich nicht neben der Tür, stattdessen war dort ein Lichtschalter platziert. So konnte man in schöner Regelmäßigkeit beobachten, wie die Leute gegen die Tür gelaufen sind, weil der Schalter nicht die erwartete Wirkung hatte. (Ein weiterer Fail: den Lichtschalter braucht man nicht, das Licht ging überall automatisch an).

Die Lösung:

  • nicht plötzlich mit erlernten Mustern brechen: „Neben der Tür befindet sich der Türöffnungsschalter“
  • keine Elemente einbauen, die überflüssig sind: Ein Lichtschalter, obwohl Licht von selbst angeht

Deine Lieblingsmethode, um die Grundlage für gute UX zu legen?

Ich führe am liebsten User Research durch und dabei ganz besonders gern Tiefeninterviews. Und das nicht nur, weil ich Psychologin bin 😉 In diesen Gesprächen kann man die Lebenswelt von realen Menschen hinter der ansonsten gesichtslosen Gruppe „Nutzer“ kennenlernen und wirklich verstehen, WARUM sie etwas tun, was sie dazu motiviert und wie es ihnen dabei emotional geht. Kombiniert mit quantitativen Nutzerbefragungen ergeben sich daraus mächtige Insights, die Ausgangsbasis für jede Produktentwicklung sein sollten und Erfolg oder Misserfolg eines Produkts maßgeblich beeinflussen.

 

Welche UX-Fails haben Ihnen bereits Ihren Arbeits- oder Alltag erschwert? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen oder Fragen zu unseren UX-Methoden!

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Über den Autor

Mareike Mechler

Junior-Marketing-Managerin

Mareike Mechler hat Psychologie und Kommunikation studiert und unterstützt uns bei der Umsetzung und Weiterentwicklung unserer Marketing-Strategie.

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