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Birgit Bärnreuther
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Eine gute Informationsarchitektur unterstützt Ihre User, Inhalte schnell und einfach zu finden. Sie führt die Nutzenden effizient zu ihrem Ziel – ein Zeichen für gute Usability und Hygienefaktor für eine hohe Conversion-Rate.

Bestimmt haben Sie sich schon mal bei der Nutzung einer Webseite oder App verloren gefühlt und sind am Ende Ihrer Suche wieder zurück zur Startseite, um die Reise von vorn zu beginnen. Was Sie erlebt haben, ist das normale Resultat einer fehlerhaften Informationsarchitektur.

Statt dem realen mentalen Modell der Zielgruppe zu entsprechen, bilden Navigationen häufig “nur” die interne Sicht auf die Customer Journey von Kunden ab. Im schlimmsten Fall wird Ihre Navigation so zum Abbruchgrund oder lässt beim Besuch der Website täglich frustrierte User zurück.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie zu einer nutzerzentrierten Informationsstruktur mittels Card-Sorting gelangen und wie Sie Ihre bestehende Navigationen testen und verbessern können.

Was ist Card-Sorting?

Card-Sorting ist eine benutzerorientierte, empirische Usability-Methode zur Generierung von quantitativen (und qualitativen) Aussagen. Sie ermittelt die aus Sicht der User optimale Gruppierung von Inhalten und unterstützt somit bei der nutzerzentrierten Entwicklung von Informationsarchitekturen.

Wann führt man ein Card-Sorting durch?

Kommt drauf an! – frühe vs. späte Produktentwicklungsphasen

Card-Sorting wird vorwiegend prozessbegleitend in der Analyse- oder Konzeptionsphase eingesetzt. Aber auch später, bspw. wenn Probleme mit der bestehenden Informationsarchitektur vermutet werden, kann Card-Sorting hilfreich sein. Ist man noch in einem frühen Stadium der Produktentwicklung, greift man in der Regel zu einem offenen Card-Sorting, da es einen generativen Ansatz verfolgt – es bringt neue Gruppierungsideen hervor.

Durch Card-Sortings in frühen Entwicklungsstadien können Änderungen noch kostengünstig am Wireframe oder im Prototyp vorgenommen werden. In späteren Produktentwicklungsphasen oder wenn ein Produkt schon released ist, nutzt man häufig geschlossenes Card-Sorting und Reverse-Card-Sorting (auch: Tree-Testing) mit einem evaluierenden Ansatz.

Offenes Card-Sorting (generativer Ansatz)

Bei einem offenen Card-Sorting sortieren die Testpersonen Seiten, Inhalte, Begriffe, Informationen oder Funktionen in für sie zusammengehörige Gruppen. Es bietet damit einen sehr guten Einblick in das mentale Modell der Zielgruppe. Das offene Card-Sorting wird idealerweise noch in der Konzeptionsphase durchgeführt, aber ein Content-Audit sollte zu diesem Punkt schon stattgefunden haben.

Zu einer nutzerfreundlichen Informationsarchitektur mit offenem Card-Sorting: Die Teilnehmer erhalten Karten mit Begriffen, können diese ggf. ändern und sollen die Karten gruppieren. Am Ende vergeben sie Kategorienamen für die Gruppen.

Die gebildeten Cluster werden auf Gemeinsamkeiten untersucht, um darauf aufbauend eine Empfehlung für eine Informationsarchitektur zu geben. Da die Anzahl der von den Testpersonen als zusammengehörig empfundenen Gruppen sehr stark variieren kann, benötigt man für valide Ergebnisse eine große Stichprobe.

Geschlossenes Card-Sorting (evaluierenden Ansatz)

Bei einem geschlossenen Card-Sorting sortieren Testpersonen Seiten, Inhalte, Begriffe, Informationen oder Funktionen in vorgegebene Gruppen. Geschlossenes Card-Sorting wird häufig eingesetzt, wenn Usability-Tests, Analytics oder Analyse der Suchanfragen gezeigt haben, dass es Probleme bei der Navigation gibt, die oberste Ebene der Navigation jedoch nicht verändert werden kann.

Zu einer nutzerfreundlichen Informationsstruktur mit geschlossenem Card-Sorting: Die Teilnehmer erhalten Karten mit Begriffen und vorgegebene Kategorien. Sie gruppieren die Karten in die Kategorien.

Reverse-Card-Sorting / Treetesting (evaluierender, iterativer Ansatz)

Beim Reverse-Card-Sorting existiert ebenfalls bereits eine Informationsarchitektur. Allerdings sortieren die Testpersonen hier keine Begriffe, sondern erhalten die Aufgabe, nach bestimmten Informationen zu suchen. Die Suche findet in der rein hierarchischen Informationsstruktur statt (meist noch ohne das UI-Design). Dies bietet den Vorteil, dass der kognitive Prozess eher der eigentlichen Herangehensweise entspricht.

Ausgewertet wird die Erfolgsquote (Information gefunden), der direkte Weg (ohne Rückschritte) sowie die Zeit. Die Methode gibt Einblicke in das Navigationsverhalten von Usern. Reverse-Card-Sorting wird häufig eingesetzt, um zwei verschiedene Informationsarchitekturen miteinander zu vergleichen oder nach Veränderungen der Informationsarchitektur den Erfolg zu benchmarken.

Zu einer nutzerfreundlichen Informationsarchitektur mit Reversed-Card-Sorting: Die Teilnehmer erhalten Aufgaben zum Auffinden bestimmter Informationen

Wie führt man das Card-Sorting durch?

Online vs. Offline – und das ist nicht die einzige Frage!

Ein Card-Sorting kann sowohl offline als auch online durchgeführt werden. Da quantitative Daten zur Validierung erhoben werden wollen, hat sich der Trend durchgesetzt Card-Sorting online durchzuführen. Online-Card-Sorting ist bei großen Stichproben in aller Regel kostengünstiger und schneller durchführbar, da u.a. die Daten sofort digital zur Analyse vorliegen und die Kosten für die Incentivierung niedriger sind.

Ein großer nicht zu unterschätzender Nachteil, ist aus meiner Sicht jedoch der Verzicht auf die Usability-Methode „Laut denken“. Die meisten Online-Card-Sorting-Tools bieten keine Möglichkeit, dass Testpersonen ihre Gedanken und Fragen zu den einzelnen Karten kommentieren. Auch kann das Verhalten nicht beobachtet werden, was oft zusätzliche Erkenntnisse bietet. Im schlimmsten Fall liefert ein rein quantitativ durchgeführtes Card-Sorting gar keine neuen Erkenntnisse.

Qualitativ vs. quantitativ – Die Kombination macht’s!

Ich empfehle eine quantitative und qualitative Herangehensweise zu kombinieren. Also mit einer großen Stichprobe ein unmoderiertes Online-Card-Sorting für valide quantitative Ergebnisse durchzuführen und mit einer wesentlich kleineren Stichprobe das Card-Sorting mit der Laut-denken-Methode zu kombinieren, um qualitative Insights zu generieren. Letzteres könnte klassisch in einer moderierten (synchronen) Card-Sorting-Session vor Ort stattfinden.

Wir bei Userlutions setzen für diesen Fall unser eigenes Tool RapidUsertests ein und können so moderiert oder unmoderiert remote schnell zusätzliche Erkenntnisse gewinnen.

Wie analysiert man ein Card-Sorting?

Bauchgefühl vs. Clusteranalyse

Bei kleiner Stichprobe und einer relativ niedrigen Anzahl an Karten, schaut man sich die einzelnen Card-Sorts an und versucht in den Sortierungen Gemeinsamkeiten zu finden. Bei einer großen Stichprobe und einer hohen Anzahl an Karten kommen Computerprogramme zur hierarchischen Cluster-Analyse zum Einsatz. Dazu können verschiedene Analysemethoden eingesetzt werden, zum Beispiel ein Dendogramm, eine Ähnlichkeitsmatrix oder ein Standardization Grid.

Zusammengefasst

  • Ein Card-Sorting hilft schnell und kosteneffzient, die Informationsarchitektur einer Anwendung an die Anforderungen der Zielgruppen anzupassen.
  • Bei der Auswahl einer Card-Sorting-Methode (offen, geschlossen oder reverse) ist das Produktentwicklungsstadium und der Änderungsspielraum entscheidend.
  • Card-Sortings können moderiert oder unmoderiert, online oder offline durchgeführt werden. Die Art der Durchführung beeinflusst vor allem Kosten und Zeitaufwand.
  • Die Analyse quantitativer Ergebnisse liefert valide Ergebnisse. Qualitative Erkenntnisse durch die Anwendung der Methode „Laut denken“ helfen bei der Interpretation der Ergebnisse.

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Ihr Ansprechpartner

Mathias Liesegang
UX Specialist & Account Manager
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Über den Autor

Claudia Sinnig

Senior UX-Specialist

Claudia begleitet unsere Kunden seit 2014 in allen Phasen des Human-Centered-Design-Prozesses von der Projektplanung bis zum finalen Design. Sie hat bereits über 60 unserer Kunden aus Bereichen wie Industrie, B2B-Software und E-Commerce bei der UX-Optimierung unterstützt, darunter BMW, BOSCH, SIEMENS und Melitta.

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