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Birgit Bärnreuther
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Plötzlich ertönt ein ohrenbetäubendes Bohrgeräusch – „Bohrt der Nachbar gerade durch deine Decke durch?“ – dann bleibt das Kamerabild und der Ton hängen und Rolf verlässt die Videokonferenz. Sofort gehen wilde Spekulationen darüber los, ob der Nachbar jetzt endgültig die Leitung durchbohrt hat und wir Rolf nicht mehr wiedersehen werden heute Abend.

Solche Erlebnisse gibt es zu Zeiten von Corona sicherlich zu Hauf, in diesem Fall passierte das Ganze jedoch während einer Fokusgruppe.

Remote-Fokusgruppen in Zeiten von Corona

Vier Fokusgruppen hatten wir für ein Kundenprojekt bei uns vor Ort geplant – und eine Woche vorher kam uns dann Corona in die Quere. Dass die Diskussionsrunden nicht so wie geplant stattfinden konnten, war schnell klar. Aufschieben war aber auch keine Lösung. Also remote?

Remote-UX-Testing, egal ob moderiert oder unmoderiert liegt sozusagen in unserer DNA, von daher haben wir uns nicht vor der Herausforderung gescheut, Remote-Fokusgruppen durchzuführen. Unsere Erkenntnisse und Best-Practices möchten wir hier mit euch teilen.

Rolf hat kurze Zeit später übrigens wieder angeklopft und konnte weiter mit uns diskutieren.

Wie gelingen Fokusgruppen auch remote?

Vor dieser Frage stehen sicherlich so einige User-Researcher zurzeit. Und auch wir hatten im Vorfeld einige Bedenken, im Endeffekt hat aber (fast) alles wunderbar funktioniert.

Wir sehen sogar einige Vorteile gegenüber Fokusgruppen vor Ort:

  • Überregionale Nutzer: Bei Remote-Fokusgruppen gibt es keine Ortsabhängigkeiten – die Nutzer können deutschlandweit oder sogar weltweit verteilt sein.
  • Bildschirmübertragung: Statt sich zu neunt vor ein Whiteboard oder Flipchart voller Post-Its zu drängeln, sehen alle denselben Bildschirmausschnitt. So ist für alle TeilnehmerInnen klar, was gerade besprochen wird und niemand versperrt die Sicht.
  • Weniger Dokumentationsaufwand: Alle Notizen sind direkt digitalisiert. Es muss also keine weitere Zeit für die Protokollierung eingeplant werden und man kann direkt aus den Notizen Ableitungen treffen.

Unsere Sorge, dass langsame Internetverbindungen eine rege Diskussion unterbinden könnten, wurde nicht bestätigt! Teilnehmer haben sich gegenseitig ergänzt und widersprochen, ohne große Verzögerungen in der Übertragung. Es war tatsächlich kaum bemerkbar, dass sie nur virtuell teilnehmen.

Trotzdem gibt es ein paar Zielgruppen, bei denen wir zu Vor-Ort-Fokusgruppen raten würden:

  • Geringe Technikaffinität: Einige Zielgruppen sind weniger technikaffin und trauen sich remote Diskussionen eventuell nicht zu, z.B. ältere Menschen
  • Keine Internetverbindung: Es gibt immer noch einige Menschen, die über keine Internetverbindung verfügen, auch das kann unter anderem bei älteren Menschen der Fall sein.
  • Langsame Internetverbindung: Eine störungsfreie Webcam- und Bildschirmübertragung sollte unbedingt gewährleistet sein, weshalb z. B. bei ländlichen Zielgruppen die Internetgeschwindigkeit überprüft werden sollte.

Fokusgruppen sind übrigens nicht immer die passende Methode: Warum Fokusgruppen oft das Falsche erforschen

Da wir für unseren Kunden neue Ideen generieren und die Zielgruppe in diesen Prozess einbeziehen wollten, waren Fokusgruppen für uns jedoch gut geeignet.

Jetzt aber zu den Best-Practices, die wir aus unseren Remote-Fokusgruppen abgeleitet haben.

Best-Practices für Remote-Fokusgruppen

Penible Vorbereitung ist das A&O

Improvisation ist in Remote-Fokusgruppen deutlich schwieriger als vor Ort, weshalb man auf alle Eventualitäten vorbereitet sein sollte:

  • Technische Voraussetzung im Screening-Prozess abfragen: Meistens werden die Teilnehmer ja sowieso nach bestimmten Kriterien ausgesucht. Ergänzen Sie in diesem Screening-Prozess auf jeden Fall Fragen nach den technischen Voraussetzungen. Sind die Tester bereit, ihren eigenen Computer für die Session zu verwenden und sich ggf. Software herunterzuladen? Ist ein Mikrofon vorhanden, besser noch ein Headset? Haben die Tester eine Webcam und sind bereit, diese während der Session anzuschalten?
  • Ruhige Umgebung schaffen: Stellen Sie vor dem Start der Fokusgruppe sicher, dass alle TeilnehmerInnen sich an einem ruhigen Ort befinden und nicht zwischendurch von Kindern, PartnerInnen, Haustieren oder sonstigen MitbewohnerInnen abgelenkt werden.
  • Streaming-Verbot: Bitten Sie die TeilnehmerInnen, alle Downloads und Streamingaktivitäten im Haushalt während der Fokusgruppe einzustellen. Am Ende scheitert es sonst daran, dass die Kinder im Nebenzimmer Netflix schauen.
  • Leicht überrekrutieren: Über alle vier Fokusgruppen hinweg mussten wir zwei Teilnehmer vor dem Start ausschließen, weil wir ihre Technikprobleme nicht lösen konnten oder ihre Internetverbindung nicht stabil war. Rechnen Sie daher mit einer kleinen Ausfallquote und rekrutieren Sie pro Fokusgruppe einen zusätzlichen Teilnehmer.

Passende Tools finden

Vor Ort sind Fokusgruppen sehr interaktiv. Es wird nicht nur diskutiert, sondern zum Beispiel werden auch Ideen auf Post-Its geschrieben und gemeinsam geclustert. Überlegen Sie daher, welche Interaktionsformen Sie einsetzen möchten und wie sich diese remote umsetzen lassen.

Wir haben beispielsweise ein Tool verwendet, mit dem die TeilnehmerInnen erst einmal für sich allein ihre Ideen gesammelt haben und diese erst im Anschluss für alle sichtbar wurden. Daraufhin konnten wir die Ideen besprechen und gemeinsam clustern. Hier kommt auch der Vorteil zum Tragen, dass alle TeilnehmerInnen das gleiche sehen und niemand einem anderen die Sicht auf das Whiteboard versperrt oder die Schrift zu klein bzw. zu unleserlich ist.

Bei Remote-Fokusgruppen sehen die TeilnehmerInnen zunächst nur ihre eigenen Notizen

Zunächst haben die TeilnehmerInnen einzeln ihre Notizen gesammelt.


In einem weiteren Tool wurden die Notizen mit der gesamten Remote-Fokusgruppe diskutiert und geclustert.

Und dann haben wir sie gemeinsam diskutiert und geclustert.

Aufteilung in Moderator und Dokumentator

Wie auch bei Vor-Ort-Fokusgruppen sollte es einen Moderator und einen Dokumentator geben. Der Moderator konzentriert sich dabei völlig auf die Gesprächsführung. Er sollte dabei auch die Videos der TeilnehmerInnen im Blick haben, um Mimik und Gestik zu deuten.
Der Dokumentator macht während der gesamten Session Notizen. Das sind die Besonderheiten für Moderator und Dokumentator bei Remote-Fokusgruppen:

  • Ablenkungen erkennen: Remote kommt es öfter vor, dass TeilnehmerInnen sich von dem Geschehen zu Hause oder auf ihrem Laptop ablenken lassen. Aufgabe des Moderators ist es, das zu erkennen, die TeilnehmerInnen darauf anzusprechen und ihren Fokus wieder auf die Diskussion zu lenken.
  • Technische Probleme lösen: Der Moderator ist dafür zuständig, zu erkennen, wenn es technische Probleme gibt. Ein paar Anweisungen, die der Moderator in unseren Fokusgruppen geben musste: „Mach die Kamera ruhig einen Moment aus, wenn dein Kind durchs Bild läuft und dir das unangenehm ist.“, „Ich sehe, wie sich deine Lippen bewege, aber ich höre dich nicht. Ist dein Mikro vielleicht aus?“. Technische Probleme betreffen oft nur einzelne TeilnehmerInnen. Damit der Moderator sich weiterhin auf die Diskussion konzentrieren kann, sollte der Dokumentator die Probleme mit den TeilnehmerInnen in einem separaten Chat lösen.

Diskussionsregeln erklären

Ganz zu Beginn der Fokusgruppe werden die Diskussionsregeln besprochen – das gilt sowohl vor Ort als auch remote. Neben Regeln wie ausreden lassen und nicht durcheinanderreden, sollten noch remote-spezifische Regeln ergänzt werden, z.B. „Smartphone in den Flugmodus oder in den Nachbarraum, um nicht gestört zu werden“.

Bildschirm teilen

Der Moderator sollte seinen Bildschirm teilen und mitschreiben, was die TeilnehmerInnen sagen. So wird die Bedeutsamkeit ihrer Aussagen deutlich, was auch andere TeilnehmerInnen motiviert, etwas beizutragen. Außerdem behalten die TeilnehmerInnen so den Überblick, was schon gesagt wurde.

Wichtig: Damit keine Unternehmensinterna versehentlich geteilt werden, Benachrichtigungen am besten ausschalten.

Was nicht für die Augen der TeilnehmerInnen bestimmt ist, schreibt der Dokumentator mit.

Zur lebendigen Diskussion motivieren

Machen Sie ruhig zwischendurch ein paar Späße, um die Stimmung aufzulockern. So trauen sich die TeilnehmerInnen bei der Ideengenerierung wild rumzuspinnen, ohne Angst zu haben, verurteilt zu werden.

Ermutigen Sie die TeilnehmerInnen, etwas zu sagen, sobald ihnen etwas einfällt oder sie anderer Meinung sind. Vermeiden Sie, die TeilnehmerInnen einfach reihum ranzunehmen, aber sprechen Sie die ruhigeren Kandidaten immer mal wieder direkt an.

Fazit: Fokusgruppen gelingen auch remote und haben sogar einige Vorteile!

Wir müssen zugeben, wir waren selbst etwas überrascht, wie problemlos unsere Fokusgruppen abgelaufen sind. Mit der richtigen Vorbereitung, passenden Tools und ein paar besonderen Skills steht den Remote-Fokusgruppen also nichts im Weg und wir werden bestimmt auch nach Corona des Öfteren auf diese Methode zurückgreifen.

Können wir Sie bei der Durchführung unterstützen?

Sie möchten Ideen für ein neues oder bestehendes Produkt sammeln und Ihre Zielgruppe einbeziehen, sind aber unsicher, ob Fokusgruppen die passende Methode für Sie sind?

Sie möchten nicht nur TeilnehmerInnen aus Ihrer Stadt zusammenbringen, sondern Fokusgruppen deutschlandweit oder sogar weltweit durchführen, sind aber unsicher, wie und mit welchen Tools?

Sie brauchen die Unterstützung eines erfahrenen Moderators für Ihre Fokusgruppen?

Gerne beraten wir Sie kostenlos und unverbindlich:

Ihre Ansprechpartnerin

Maria Lisenko
UX Specialist & Account Manager
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Über den Autor

Maria Müller

User-Experience-Specialist

Maria ist darauf spezialisiert, die Bedürfnisse des Nutzers über User Research und Design Thinking zu erfassen und quantitativ über Online-Umfragen und A/B-Tests zu validieren. In über 40 Projekten hat sie bereits Kunden aus der Bildungs-, Gesundheits- und Tourismus-Branche und dem Smart-Home-Bereich betreut, u.a. Amazon, Cornelsen Schulverlage, TUI und Grohe.

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